IARU Region 1 SSB-Fieldday-Contest mit DK3A/p

Portabelbetrieb in der Wildnis

Nachdem ich im vergangenen Jahr gar nicht und im Jahr davor nur als Feststation am SSB-Fielddday teilnehmen konnte, gab es dieses Jahr eine echte Portable-Aktion. Wir waren zu zweit los und haben Betrieb aus dem Buxtehuder Moor gemacht.

Zu zweit, das waren Michael, DG5LAC und ich, beide aus dem OV E38. Wir haben aus dem Bus heraus an einer Spieth-Vertikal Betrieb gemacht. Zur Fieldday-Idee gehört ja nicht nur, die Antenne(n) mitzubringen, sondern sich auch netzunabhängig mit Strom zu versorgen. Dafür musste nicht die Bus-Batterie herhalten, sondern wir hatten einen Honda 10i-Generator als Leihgabe von DL3LED zur Verfügung.

SSB-Fieldday im Buxtehuder Moor
SSB-Fieldday im Buxtehuder Moor

In viellerlei Hinsicht haben wir mit dieser Aktion Premieren gefeiert:

  • Neuer Standort (Verlängerung des Melkerstieges im Buxtehuder Moor)
  • Neuer Transceiver (FT-991)
  • Neues, vorher unerprobtes Technik-Konzept (wir haben unser Zeug zusammengeworfen und erst vor Ort erfahren, ob es miteinander funktioniert)
  • Neues Team (DG5LAC und DL3LBA)
  • Erste echte portable Teilnahme am SSB-Fieldday, alles Equipment in das Auto werfen und am Ziel wieder auspacken und aufbauen.

Den Standort fand ich gut, am Stadtrand abseits der Bebauung gelegen und doch schnell zu erreichen. Platz genug für das Abstellen des Fahrzeuges und den Aufbau der Antenne. So gut wie kein Durchgangsverkehr und nur ab und zu einmal Spaziergänger und Radfahrer. Einer davon war Dieter, DL4HO, der allerdings gezielt zu Besuch kam.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Platz im Zuge des Autobahnbaus verändern wird. Vielleicht ist die Behelfsbrücke und auch die Baustraße dann wieder weg und damit eben der Stellplatz. Dann wird man den Landwirten fragen müssen, ob man auf seine Weide darf.

Die Ausnahmegenehmigung vom Ordnungsamt für die Einfahrt in den ansonsten gesperrten Melkerstieg hat übrigens Wunder gewirkt. Bei dem wechselhaften Wetter am Wochenende waren nur wenige aufmerksame Bürger unterwegs, doch die waren durch die pure Erwähnung der Genehmigung schon beruhigt. Sehen wollte sie keiner. Trotzdem würde ich die Anfrage an die Stadt bei einer Wiederholung immer einholen, schon, um auf der sicheren Seite zu sein.

Keine Ausfälle von Stromversorgung und Funktechnik

Mobile Stromversorgung mit einem Honda 10i. Plane als Schutz vor Kleckerm beim Betanken, Grillabdeckung für den Regenschutz
Mobile Stromversorgung mit einem Honda 10i: PVC-Plane als Schutz vor Kleckerm beim Betanken, Tisch und Grillabdeckung für den Regenschutz

Der Honda 10i-Moppel hat 24 Stunden lang klaglos seine Arbeit verrichtet. Da er nur das 40A-Netzteil zu speisen hatte, aus dem TRX und Laptop bedient wurden, reichte der Betrieb im Schildkröten-Modus. Der Füllstand ist von außen nicht erkennbar, trotzdem hat eine vorsorgliche Nachbetankung alle vier Stunden vollkommen ausgereicht. Den stets griffbereiten Auto-Feuerlöscher haben wir zum Glück nicht gebraucht. Herzlichen Dank an Ralph für seine Leihgabe des Moppels!

Mein FT-991 hat seine Feuerprobe bestanden, ich bin mit dem Gerät zufrieden. Der eingebaute Tuner macht beim Abstimmen wilde Geräusche, doch daran gewöhnt man sich schnell. Das Scope schaltet beim Scannen des Bandes zwar den Empfänger kurz tot, gibt dann zumindest jedoch visuelle Hinweise auf die Bandbelegung. Der digitale Voicerecorder lässt sich einfach und komfortabal besprechen und schont die Contester-Stimme. Auf 40 m hatte der Empfänger gut zu tun, die starken Signale zu trennen. Vielleicht lassen sich mit Handbuch-Studium noch hilfreiche Einstellungsmöglichkeiten finden, ansonsten wird mittelfristig ein schmales Filter auf der Einkaufsliste landen.

Apropos Einkaufsliste: Der Lingua Sprachextraktor von Michi hat es mir angetan, den werde ich mir ebenfalls zulegen. Der Unterschied zwischen dem Hörerlebnis mit und ohne dieses Audiofilter war beeindruckend und überzeugend.

Funkbetrieb bei Nacht
Funkbetrieb bei Nacht

Das Loggen mit UCXLog hat gut funktioniert, auch Michael kam ohne Vorbereitung schnell damit zurecht. Nach ein paar Stunden Betrieb fiel mir auch wieder ein, auf welcher Taste der Schrägstrich für die Eingabe des Portabel-Ps gelegt war, so dass die Rufzeichen ohne Fingerspagat nur mit einer Hand eingegeben werden konnten.

Bei der Spieth-Vertikalantenne habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. OM Spieth schreibt in seiner Anleitung, dass die Antenne schon mit zwei, drei Radialen unterschiedlicher Länge ausreichend gut funktionieren würde. Meine Erfahrung und vor allem die Messungen mit dem Vektor Analyser sprechen eine andere Sprache.

Antenneneinspeisung
Mastfuß mit Antenneneinspeisung, vielen Radialen, Überspannungsschutz und Mantelwellensperre („BCC-Rohrbombe“)

Ich habe für jedes Amateurband mindestens ein Radial von Lambda-Viertel Länge angeschlossen. Erst dann sanken Impedanz und SWR der Antenne auf verträgliche Werte, die vom internen Tuner des FT-991 angepasst werden konnten. Das Verlegen und Wiederaufnehmen der Radiale ist in der jetzigen Form jedoch ein pain-in-the-ass, wie unsere amerikanischen Freunde das so schön plastisch ausdrücken. Auch der Anschluss der Radiale mit Kabelösen an Schraube und Flügelmutter ist noch zu umständlich. Michi meinte auch deswegen, dass die Antenne nicht sein Freund werden würde.

Ich werde wohl die Idee umsetzen, die DH1TW von der Station ED1R berichtet hat, die Radiale auf einen Schlauchwagen o.ä. (z.B. meine Weidezaunspule) aufzuwickeln und die Verbindung mit Kfz-Steckverbindern vorzunehmen.

Was dann noch bleibt, ist der Bandwechsel an der Spieth-Antenne, für den der Mast eingeschoben und Verbinder an der Antenne geöffnet bzw. geschlossen werden müssen. Für normale Conteste kann ich mir das nicht vorstellen, für den Fieldday mit seiner Beschränkung auf eine Antenne mit nicht mehr als 15m Aufhängehöhe finde ich das jedoch akzeptabel. Wir waren nur zu zweit, andere Antennenkonzepte hätten mehr Aufwand und Zeit bedeutet. Bei Einzelaktionen würde ich wohl wieder diese Antenne wählen. Elektrisch hat sie auf jeden Fall funktioniert und bei den meisten Stationen, die wir gut hören konnten, sind wir auch beim ersten Anruf selber gehört worden.

Wetter war vorhanden, in allen erdenklichen Ausführungen

Wetter am Sonntag-Morgen
Wetter am Sonntag-Morgen: Sonnenschein bei Regen am Horizont

Das Wetter am Wochenende war prinzipiell wie vorhergesagt, nur dass die Zeiten nicht immer stimmten. Wir hatten von allem was, Sonne, Wind und Regen. Nur Nebel, Hagel und Schnee blieben uns erspart. Da der Bus zwei Schiebetüren hat, könnte man immer auf der windabgewandten Seite ein- und aussteigen. Das hat uns einige Male vor der vollständigen Duchnässung gerettet. Es gab am Sonntag morgen auch Phasen richtig schönen Wetters. Nur zum Abbau, kamen dann noch zwei, drei Schauer. Gut, wer dann Regenkleidung und vor allem geeignetes Schuhwerk dabei hat!

Funken im Freien - wetterfeste Kleidung
Funken im Freien – wetterfeste Kleidung

Was gibt es noch zu sagen? Der Betrieb aus dem VW-Bus heraus ist für mich ein angenehmer Luxus, den ich nicht aufgeben möchte. Ein Zelt aufzubauen und dann, gerade bei diesem Wetter, nass und kalt sich am Mikrofon festhalten zu müssen, möchte ich mir nicht vorstellen. Eine Gasheizung im Zelt lässt sich nicht regeln, entweder ist es zu warm oder zu kalt. Auf einem Klappstuhl mehrere Stunden zu hocken, ist ebenfalls nicht meine Vorstellung von Ergonomie. Dann doch lieber auf Ledersitzen im Trockenen sein und bei Bedarf die Standheizung anwerfen können!

Dürftige Ausbreitungsbedingungen auf den höheren Frequenzbändern

Was den funksportlichen Aspekt angeht, hätte es gerne besser laufen können. Die Ausbreitungsbedingungen am Wochenende waren recht schlecht, die oberen Bändern waren uns, zumindest mit dieser Antenne, nicht zugänglich. Für uns hat die Musik also hauptsächlich auf 40 und 80 Meter gespielt. Damit fielen natürlich viele 3- und 6-Punkte-Lieferanten aus, zahlreiche Multiplikatoren aus fernen DXCCs fehlen im Log.

Hier also unser vorläufiges Ergebnis (claimed score). Mal sehen, was nach der Prüfung davon übrig bleibt.

CALLSIGN : DK3A/P
CONTEST  : IARU Region 1 Fieldday – SSB
YEAR     : 2015
OPERATORS: DG5LAC, DL3LBA

Band    QSOs    Points  Multipliers    QSO/h  Score
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80m      233           881          23             32    39%
40m      202           715          28             26    37%
20m        70           230          26             19    23%
15m          0               0            0
10m          0               0            0
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TOTAL  505      1826   77             = 140602

Fieldday15-Statistik
Fieldday15-Statistik

Das Punktewachstum über den Zeitverlauf wirft UCXLog als Grafik mit aus. Man sieht die Pausen bei Band- bzw. Operatorwechsel und meine Stunde Schlaf von 05:30 bis 06:30 Lokalzeit. Der steileren Kurvenanstiege zeigen die Zeiten, in denen wir CQ gerufen haben und die Raten steigern konnten. Auf 80 m von 21 bis 05 Uhr, dann wurde es zäh. Nach der Pause erst weiter mit 80 m und dann auf 40 m von 07:00 bis 11 Uhr. Auf 20 m ging nicht viel, so dass wir um 12:30 Uhr zurück auf 40 m gingen und bis zum Schluss blieben. Der beste Zehn-Minuten-Schnitt der 24 Stunden lag bei 120 Qs.

Nach dem Einsendeschluss für die Logs werde ich die SH5-Auswertung inklusive des Logs hier im Artikel verlinken.

Nach dem Contest ist vor dem Contest

Nun ist der Contest aber vorbei und es geht ans Aufräumen. Die Gerätschaften sind bereits wieder verstaut, nur Kabel und Abspannmaterial warten noch darauf, gesäubert und vernünftig aufgewickelt zu werden.

Sowieso, was den Aufbau und die Verkabelung der diversen Geräte angeht, möchte ich die künftig in Transportkoffern fertig verdrahtet und einsatzbereit mitnehmen können. Das würde auch den Einsatz für Notfunk erleichtern. Jetzt kommt immer ziemlich viel Kleinkram wie Stecker und Werkzeug in Kisten und Kästchen mit, die beim Ein- und Ausladen viel Zeit kosten. Meine Vorstellung ist, dass künftig nur Moppel, Kanister, Funk- und Antennenkoffer fertig bereitstehen und es mit vier Handgriffen losgehen kann. Das würde auch der Akzeptanz in der häuslichen Gemeinschaft für solche Aktionen zuträglich sein…

Autor: kai

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