Deutsche Ingenieurskunst?

Antriebswelle VW T5

Am ersten Werktag nach Weihnachten kümmerte ich mich als erstes um unser kaputtes Auto. Über die Feiertage hatten wir im Familienkreis mehrfach die möglichen Ursachen diskutiert. Die Mutmaßungen hatten sich weg von Getriebschaden, hin zu Problemen mit der Antriebswelle bewegt.

Der Schutzbrief der Versicherung wurde zum ersten Mal in Anspruch genommen, um den Wagen in die nächstgelegene VW-Werkstatt schleppen zu lassen. Der Fahrer des Abschleppwagens mutmaßte nach ebenfalls in Richtung Antriebswelle, „das Problem sähe er öfter“ bei VW T5.

Bei der VW-Werkstatt angekommen, ließ sich auch der Servicemeister nach Inaugenscheinnahme des Busses in diese Richtung aus. Auch ihm schien das Fehlerbild nicht unbekannt zu sein. Er entließ mich mit der Aussicht auf Reparaturkosten zwischen 450 und 900 EUR, je nachdem, was sie beim Ausbau der Gelenk- bzw. Steckwelle vorfinden würden. Die Teile würden noch am gleichen Tag ankommen und eingebaut werden, vermutlich könnten wir den Wagen zum Abend hin wieder abholen können.

Zu Hause recherchierte ich die Stichworte „VW T5 Anstriebswelle Steckwelle rechts“ und würde rasch fündig. In der Tat scheint es sich hier um ein bekanntes Problem des VW T5 zu handeln. Zum Einen sind wohl die Teile nicht für die auftretenden Kräfte ausgelegt. Immerhin entwickelt der 2,5 Liter TDI-Motor stolze 400 Newtonmeter, der Wagen hat ein zulässiges Gesamtgewicht von drei Tonnen und darf noch einmal weitere zwei Tonnen Anhängelast ziehen.

Zum Anderen heißt es in den diversen Foren, dass Fertigungsfehler seitens VW den raschen Verschleiß des Flansches begünstigen. Von vergessenem bzw. aus Kostengründen nicht aufgetragenem Fett ist da die Rede. Ob das wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen. In Internetforen werden schnell Verwörungstheorien entwickelt. Und der Vorwurf des eingesparten Fettes würde ja gut zu den aktuellen Dieselgate-Geschichten passen.

Was mich jedoch wirklich ärgert ist der Umstand, dass VW bei der Vielzahl der Fälle keine Kulanz walten lässt und sich an den Reparaturkosten beteiligt. Nach einer Laufleistung von 130 tkm darf meines Erachtens ein solches Versagen nicht auftreten. Für mich ist die Konsequenz klar, ich werde keinen VW mehr kaufen. Ob andere Hersteller in der Hinsicht besser sind, bleibt abzuwarten.

Mein Urteil hat übrigens nichts mit dem Service und der Reparaturleistung des Autohauses zu tun. Dort wurden wir vorbildlich bedient. Auch wenn sich die Rechnung am Ende fast auf die angekündigten 900 Euro belief.

Autor: kai

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