Das Scheuern einer Faser beinhaltet eine Reihe von unterschiedlichen Beanspruchungen: Das Material wird gerieben, gedreht, gestaucht, gequetscht, gebogen und tordiert . Für jede dieser Beanspruchungen gibt es eigene Meßverfahren, um die entsprechenden Eigenschaften der Fasern zu testen und miteinander vergleichen zu können. Zusammengefaßt werden diese Beanspruchungen in der Schlingenscheuerung , bei der neben Längsscheuerung auch statischer bzw. dynamischer Zug sowie Biegebeanspruchung geprüft werden.
Chemiefasern sind grundsätzlich scheuerbeständiger als natürliche Fasern. Gemessen an der Scheuerfestigkeit von Polyamid (= 100 %) weist Baumwolle nur eine relative Beständigkeit von 16 - 44 % auf. Entsprechende Werte für Hanf wurden in der Literatur nicht gefunden, werden aufgrund des vergleichbaren Aufbaus der Faser als ähnlich angenommen.
Die Scheuerbeständigkeit einer Faser bzw. des aus ihr gefertigten Flächengebildes ist von Umgebungseinflüssen wie der Temperatur , der relativen Luftfeuchte, dem Lichteinfall und dem allgemeinen Wettereinfluß abhängig. Bei niedriger Temperatur kann das Material beispielsweise spröder sein als bei hoher Temperatur. Andererseits können ,,Abrieb und Festigkeitsverlust sowohl mit steigender Prüftemperatur als auch mit steigender Luftfeuchte zunehmen`` [10]. Der Einfall von kurzwelligem (energiereichem) Licht vermag chemische Bindungen in der Faser aufzubrechen und so ein Absinken des durchschnittlichen Polymerisationsgrades zu bewirken. Versprödung der Faser und damit ein Verlust an Scheuerbeständigkeit sind die Folgen.