Paris, je viens…

Klick, klack. Klick, klack. Frrrrrr.
Tsssschh.
Bahnhof, 07:15 Uhr.
Ein Zug kommt, ein Zug fährt.  Meinen Koffer ziehe ich hinter mir her.
Ich bin um Viertel nach Sechs aufgestanden. Habe dann meine Zahnbürste eingepackt und meine Zahnspange. Frühstücken tue ich auch, obwohl ich eigentlich viel  zu nervös bin. Generell ist früh morgens essen nicht so mein Ding. Mein Koffer liegt offen auf dem Flur; nun kommt der letzte kontrollierende Blick. Ich beschließe, dass ich jetzt alles habe, und das, was vergessen wurde, eh nicht wichtig sein kann.
Das Taxi kommt und ich verabschiede mich von Quietsch und Quetsch (=Marje und Tjarko).
Und jetzt stehe ich mit meinen Eltern am Bahnhof und kann nicht still halten.
Ich fahre nach Paris.

Diese Reise ist ein Geschenk von meinen Eltern zu meiner Konfirmation. Ich lerne seit mehreren Jahren in der Schule Französisch und wollte schon lange einmal nach Paris reisen. Und jetzt darf ich. Einfach so. Das kam alles ziemlich spontan, aber meine Vorfreude ist unbeschreiblich. Die letzten Tage habe ich mit planen verbracht und Vokabeln. Nachdem ich mir den Wetterbericht für die nächsten Tage Paris angeschaut habe, fällt meine Laune ein kleines bisschen, doch sie kommt schnell wieder. Ich finde es hart zu verstehen, das mein größter Wunsch jetzt einfach in Erfüllung geht. Aber hey, Spontanität war noch nie meine Stärke, also üben wir das jetzt.

Die Reise
Als erstes fahren wir mit dem Metronom nach Hamburg-Harburg, von dort aus nehmen wir den ICE 73 nach Frankfurt. In Frankfurt haben wir eine Stunde Aufenthalt und fahren um 13 Uhr mit dem TGV (französischer Schnellzug) nach Paris, wo wir um 16:50 am Gare de l’Est ankommen.
Ich bin  froh, dass meine Eltern so gute Nerven haben, denn ich bin definitiv nervig. Ich bin aufgeregt und ein bisschen ängstlich und nervös und gespannt; zusammengefasst ein gefühlschaotischer Teenager. Das macht Spass…
In Harburg bin ich total froh, dass es eine Aufzug gibt. So ein paar Klamotten wiegen doch ganz schön viel. Leider müssen wir eine halbe Stunde auf den ICE warten, und ich hopse rum, drehe Kreise, wanke zwischen den Kreisen hin und her und nerve weiter. Glücklicherweise nimmt mir das keiner übel.
Als wir im ICE sind, geht es mir besser. Ich bin ruhiger, mache noch ein paar Selfies mit Papa, die ich bearbeiten kann, antworte auf Whatsapp dem ein oder anderem, der jetzt in der Schule sitzt. Außerdem habe ich ja jetzt etwas zu tun, was das ganze deutlich erträglicher macht.

Ein weiteres Mal bewundere ich die Wahrheit hinter dem Spruch „Der Weg ist das Ziel.“ . Es ist eine Redewendung, die in der Zeit der Kelten entstanden ist. Den diese sind schon vor hunderten von Jahren den heutigen Jakobsweg entlang gewandert. Angeblich gibt es dort Energiestrahlungen, die Köper und Geist stärken. Hier hat man zwar ein Endpunkt vor Augen, Santiago de Compostella, doch das eigentliche Ziel ist es, auf dem Weg mit sich und seiner Welt ins Reine zu kommen. Man möchte etwas erreichen und sich verändern. Wenn man wieder zu Hause ist, will man wissen was man jetzt anstrebt. Das gleiche möchte ich auch. Ich möchte nach dieser Reise um ein Stück erfahrener und reifer sein. Eine Sache mehr gemacht haben und viele schöne Momente reicher sein. Ich möchte etwas sehen von der Welt in der ich lebe. Jeder Tag verändert uns, jede Reise verändert uns und vor allem der Weg dorthin.
Also auf uns und unseren Weg.